Vorstellung-Realität

Hallo ihr Lieben,

ich weiß, ich bin schon über einen Monat weg und habe mich weder davor, noch in der Zeit hier gemeldet. Bevor  ich gegangen bin hatte ich einfach wahnsinnig viel um die Ohren und seit ich hier bin hat sich das auch nicht wirklich verändert. Ich werde aber jetzt versuchen, mich regelmäßig zu melden und euch immer ein paar Geschichten und Erfahrungen aus meinem Leben hier zu erzählen.

Hier, das ist Bolivien, genauer Sucre. Für das kommende Jahr werde ich hier wohnen, leben und arbeiten.

Aber erstmal von Anfang an. Geflogen bin ich, zusammen mit weiteren Freiwilligen des Bolivianischen Kinderhilfswerk, am 8.09. 2016 von Frankfurt aus über Madrid, nach Santa Cruz (Bolivien). Dort sind wir, nach einem 2 ½ Stunden- und 12 Stundenflug, von unseren Koordinatoren aus den verschieden Städten Boliviens in Empfang genommen worden. Zusammen sind wir mit den typischen Minibussen zu unserem Seminarhaus gefahren, welches etwas außerhalb gelegen war. Bei unserer ersten Fahrt durch Bolivien ist mir besonders der unglaublich viele Müll auf den Straßen und in der Natur aufgefallen. Die Häuser waren alle aus Backsteinen, unverputzt und die Straßen zum Großteil nicht geteert. Unser Seminarhaus hingegen war extrem groß, unsere Zimmer schlicht und wir wurden typisch bolivianisch mit Empanadas, Reis, Gemüse und Fleisch bekocht. Auf diesem Ankommensseminar ging es im Großen und Ganzen darum, uns gezielt auf unserer Städte, Arbeit und das Leben vor Ort vorzubereiten. Besonders schön war es alle seine Fragen, direkt von Menschen vor Ort beantwortet zu bekommen und sich mit den anderen Mitfreiwilligen, die ich bereits auf unserem Vorbereitungsseminar in Deutschland kennengelernt habe, noch über Gefühle, Gedanken und Vorfreuden austauschen zu können.

Nach drei Tagen teilten wir uns dann in die einzelnen Städtegruppen auf und fuhren gemeinsam mit  unseren Koordinatoren mit dem Bus in die jeweiligen Städte. Für mich hieß das, auf nach Sucre! Gemeinsam mit acht weiteren Mitfreiwilligen ging es also endlich los in die Stadt, die in den nächsten zwölf Monaten unser zu Hause sein wird. Nachdem sich die erste Aufregungswelle in Santa Cruz gelegt hatte, war jetzt die Anspannung, Vorfreude und Aufregung wieder voll da. Wo werde ich wohl wohnen? Wie ist meine Familie? Werde ich mich mit meinen Gastschwestern verstehen? Sieht die Stadt so aus, wie ich sie mir vorgestellt habe? Wie ist die Arbeit in meinem Projekt? Wie wird das wohl mit dem Spanisch werden? Fragen über Fragen, die nach unendlichem Warten endlich alle beantwortet werden sollten.

Nach einer langen Busfahrt über Nacht, kamen wir am Montagmorgen am Busbahnhof in Sucre an und wurden dort von unserer Gastmama abgeholt. Uns, das sind Jula und ich. Jula wird für das kommende Jahr meine Mitbewohnerin sein und macht auch ihren Freiwilligendienst mit dem Bolivianischen Kinderhilfswerk, in einem Mädchenheim in Sucre. Wir beide haben uns total darauf gefreut, zu zweit in einer Gastfamilie zu wohnen und so ein bisschen leichter Anschluss und einen besseren Einblick in das Leben hier zu bekommen. Leider kam alles ganz anders als gedacht.

Unsere Familie gehört zu der reicheren Schicht der Gesellschaft und hat, neben ihrem eigenen Haus, in ihrem Innenhof einen Neubau stehen. In diesem wohnen Jula und ich für das kommende Jahr zusammen in einer eigenen Wohnung, ganz nah am Stadtzentrum. Die Häuser in unserem Viertel sind zum Großteil fertig gebaut, verputzt und gestrichen, was hier drauf hinweist, dass es sich um ein besseres Viertel mit reicheren Familien handelt. Jede von uns hat ihr eigenes Zimmer und gemeinsam teilen wir uns eine riesige Dachterrasse, das Bad und einen Vorraum. Die Dachterrasse bildet unseren Flur, was in Bolivien typisch ist. Der Vorraum ist unser Vorrats- und Essensraum mit Kühlschrank und Wasserkocher. Unser kleines Reich ist ganz neu und extrem schön und wir haben uns von der ersten Sekunde an hier oben total wohl gefühlt! Allerdings haben wir keine eigene Küche und am Anfang mussten wir darum kämpfen, dich Küche der Familie mitbenutzen zu dürfen. Da diese dies zu Beginn nicht wollte, jedoch nach ein paar Gesprächen uns die Nutzung erlaubten, fühlten Jula und ich uns die letzten Wochen sehr unwohl beim Kochen und vermieden es auch häufig in die Küche zu gehen. Nach einigen Gesprächen mit unseren Koordinatoren und Mitfreiwilligen, haben wir es jedoch mit der Zeit geschafft unsere Gastmama Patricia davon zu überzeugen, dass wir wissen wie man kocht und sie uns mittlerweile alleine kochen lässt. Auch wir haben gelernt uns mit der Situation zu arrangieren und uns regelmäßig etwas Warmes zu Essen zu machen.

 

Dadurch dass wir jedoch in einer eigenen Wohnung wohnen und uns selber versorgen, gibt es kaum Berührungspunkt mit der Familie. Zu Beginn war das für uns die totale Ernüchterung und in Kombination mit der Küchenproblematik sind alle unser Vorstellungen und Hoffnungen von einem Familienleben zerplatzt. So wunderbar das mit dem Zusammenleben von Jula und mir klappt, diese ungeklärte Situation mit der Familie, war für uns sehr belastend und fast immer Gesprächsthema. Doch mit der Zeit haben wir für uns beschlossen, dass wir ja uns haben und unsere Gastfamilie mehr die Rolle des Vermieters eingenommen hat und wir dadurch auch mehr Freiheiten haben und unabhängiger sind.

Nach anfänglicher Ernüchterung, aufgrund eines Familienlebens, welches in meiner Vorstellung ganz anders aussah, habe ich mich hier sehr gut eingelebt, fühle mich total wohl in meiner WG mit Jula und der Alltag kehrt Stück für Stückt ein.

Apropos Alltag, in meinem nächsten Beitrag werde ich ein bisschen von meiner Arbeit in meinem Projekt und meinem Leben hier so erzählen.

Viele Liebe Grüße aus Bolivien,

eure Vera.

 

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2 thoughts on “Vorstellung-Realität

  1. Liebe Vera, viele Grüße von deinen Nachbarn Alex, Liz, Ella und mir.
    Deine Mama hat mir freundlicherweise den Link geschickt. Gespannt lese ich hier von deinen abenteuerlichen Erfahrungen! Weiterhin viel Glück und Freude bei dem was du tust.
    ☀️✊🏻🍀Sonnige Grüße aus der der Ferne

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    1. Hallo ihr vier,
      wie schön, dass ihr mir schreibt! Ich werde hier weiterhin ein bisschen von meinen Erfahrungen erzählen und der nächste Blogeintrag folgt auch gleich.
      Ich hoffe ihr seid alle gesund und könnt die Adventszeit genießen.
      Liebe Grüße an alle.
      Vera.

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